Gladbach träumt vom Titel – Mehr aber auch nicht
Bayernbesieger und BVB-Jäger Nummer Eins - Borussia Mönchengladbach räumt die Liga auf und steht zurecht auf dem zweiten Platz. Die Platzierung ist ein Indiz für die ausgezeichnete Arbeit am Niederrhein. Torgefahr, wenig Gegentore, Heimstärke (5 Spiele, 5 Siege) und eine unglaubliche Ruhe - was kann die Elf von Trainer Hecking nicht? 90plusdrei nimmt die furios aufspielenden Fohlen unter die Lupe.
Das ist auch gut so. In Gladbach tut man gut daran, die überspitzten Erwartungen runterzuschrauben. Denn heutzutage geht es im Fußball von Top zu Flop in Sekundenschnelle. Genau das könnte am Niederrhein passieren. Klar, mit 26 Toren haben die Fohlen die zweitbeste Offensive der Liga. Jeder sechste Torschuss ist ein Treffer. Plea, Hazard und Stindl verbreiten Angst und Schrecken in den gegnerischen Defensivreihen. Hinten stabilisieren Ginter und Elvedi die Abwehr, und Sommer hält den Kasten sauber. Nach 11 Spieltagen hat die Fohlenelf 13 Gegentore auf dem Konto. Nur drei Teams (Leipzig: 9; Dortmund: 12; Mainz: 12) haben bisher weniger Gegentore kassiert.
Es fehlt die Konstanz. Eine Mannschaft, der Titelchancen zugeschrieben werden, muss konstante Leistungen auf den Platz bringen – ob heim oder auswärts. Auch stellt sich die Frage, wie gut die Gladbacher Defensive wirklich ist. Fakt ist, dass die Borussia unter allen Bundesligisten die wenigsten Kopfballduelle (205; Durschnitt: 248) gewinnt. Auch im Hinblick auf gewonnene Zweikämpfe ist Gladbach das Schlusslicht (902; Durchschnitt: 1066). Mangelt es also an Aggressivität? Nur drei Teams (Dortmund: 80; Bayern: 84; Stuttgart: 89) begehen weniger Fouls. Keine Mannschaft in der Bundesliga hat bisher weniger gelbe Karten (11) gesammelt. Zudem lässt die Fohlenelf mehr Chancen (54) zu als Mannschaften wie Nürnberg (52), Wolfsburg (48) oder Schalke (49). In 11 Spielen in der Bundesliga kamen insgesamt 114 Schüsse in Richtung Tor von Yann Sommer. Zum Vergleich: Konkurrenten wie Dortmund (78), Bayern (64), Leipzig (68) oder Frankfurt (91) ließen im selben Zeitraum deutlich weniger Schüsse und Chancen zu.
Nicht umsonst will man von Titel-Ambitionen in Gladbach nichts wissen. Nicht umsonst wiegelt Rainer Bonhof, Vizepräsident der Borussia, weiterhin ab: „Warten wir doch mal noch fünf, sechs Spieltage, wohin die Reise dann so geht.“ Denn mit drei Auswärtsniederlagen in Leipzig, Sinsheim und Dortmund würde die Reise ganz schnell Richtung Platz 5 gehen.
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Meisterschale: sponsored by MacMoreno, Meisterschale, CC BY-SA 4.0
Dieter Hecking: Jan Heimerl, Dieter Hecking - Pressekonferenz zur Vorstellung von Luiz Gustavo 2013 (cropped), CC BY-SA 3.0
Meisterschaft? - „Träumen ist erlaubt“
So kommentiere Gladbachs Dauerläufer Jonas Hofmann (26) im Oktober die Titelchancen seiner Borussia. Einen Monat später steht das Team von Dieter Hecking (54) noch immer auf dem zweiten Platz. 23 Punkte aus 11 Spielen – eine beachtliche Bilanz. Die Fohlen sind BVB-Jäger Nummer Eins und bezaubern Fans und Experten zugleich: „Gladbach spielt im Moment den besten Fußball, da ist Tempo in der Mannschaft“, so Sky-Experte Didi Hamann (45). Für den Fachmann haben die Gladbacher realistische Chancen auf den Bundesliga-Titel: „In dieser Form ist Gladbach für mich ein Meister-Kandidat.“Mehr als eine „fantastische Momentaufnahme“?
Mit dieser Einschätzung ist Hamann nicht alleine. Doch in Gladbach bleibt man auf dem Boden der Tatsachen: „Es ist eine fantastische Momentaufnahme,“ beschreibt Dieter Hecking die Platzierung seiner Mannschaft. Der Trainer der Borussia reagiert nüchtern auf mögliche Titelchancen und weiß, dass noch viel auf sein Team zukommt: „Es ist noch viel zu früh, jetzt über so etwas zu reden.“
Das ist auch gut so. In Gladbach tut man gut daran, die überspitzten Erwartungen runterzuschrauben. Denn heutzutage geht es im Fußball von Top zu Flop in Sekundenschnelle. Genau das könnte am Niederrhein passieren. Klar, mit 26 Toren haben die Fohlen die zweitbeste Offensive der Liga. Jeder sechste Torschuss ist ein Treffer. Plea, Hazard und Stindl verbreiten Angst und Schrecken in den gegnerischen Defensivreihen. Hinten stabilisieren Ginter und Elvedi die Abwehr, und Sommer hält den Kasten sauber. Nach 11 Spieltagen hat die Fohlenelf 13 Gegentore auf dem Konto. Nur drei Teams (Leipzig: 9; Dortmund: 12; Mainz: 12) haben bisher weniger Gegentore kassiert. Meisterschaft? Warum eigentlich nicht?
Ein Blick auf andere Statistiken bereitet hingegen Sorgen. Gladbach scheint ein Auswärtsproblem zu haben. Während man im heimischen Borussia Park alle fünf Spiele siegreich gestaltete, ging man in sechs Spielen auf gegnerischem Rasen lediglich zweimal als Sieger vom Platz. Neben Niederlagen gegen Freiburg und Hertha, kam die Borussia gegen Augsburg und Wolfsburg nicht über ein Unentschieden hinaus. Dabei kassierte die Elf von Dieter Hecking 11 Gegentore. Hinzu kommt das 0:5 Pokalaus im Heimspiel gegen kriselnde Leverkusener.Es fehlt die Konstanz. Eine Mannschaft, der Titelchancen zugeschrieben werden, muss konstante Leistungen auf den Platz bringen – ob heim oder auswärts. Auch stellt sich die Frage, wie gut die Gladbacher Defensive wirklich ist. Fakt ist, dass die Borussia unter allen Bundesligisten die wenigsten Kopfballduelle (205; Durschnitt: 248) gewinnt. Auch im Hinblick auf gewonnene Zweikämpfe ist Gladbach das Schlusslicht (902; Durchschnitt: 1066). Mangelt es also an Aggressivität? Nur drei Teams (Dortmund: 80; Bayern: 84; Stuttgart: 89) begehen weniger Fouls. Keine Mannschaft in der Bundesliga hat bisher weniger gelbe Karten (11) gesammelt. Zudem lässt die Fohlenelf mehr Chancen (54) zu als Mannschaften wie Nürnberg (52), Wolfsburg (48) oder Schalke (49). In 11 Spielen in der Bundesliga kamen insgesamt 114 Schüsse in Richtung Tor von Yann Sommer. Zum Vergleich: Konkurrenten wie Dortmund (78), Bayern (64), Leipzig (68) oder Frankfurt (91) ließen im selben Zeitraum deutlich weniger Schüsse und Chancen zu.
Gegentore
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Zugelassene Chancen
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Zugelassene Schüsse
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Bayern
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14
|
26
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64
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Leipzig
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9
|
36
|
68
|
Frankfurt
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13
|
39
|
91
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Dortmund
|
12
|
43
|
78
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Gladbach
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13
|
54
|
114
|
Keine Sorge? Fehlanzeige!
An sich alles kein Grund, die Alarmglocken zu läuten. Doch kommen im Dezember drei knallharte Brocken auf die Gladbacher zu: RB Leipzig (2.12.), TSG Hoffenheim (15.12.) und Borussia Dortmund (21.12.) – allesamt auswärts, allesamt aggressiver und zweikampfstärker. Mit Leipzig wartet die defensiv- und kopfballstärkste Mannschaft der Liga auf die Fohlenelf, mit Hoffenheim die laufstärkste und mit dem BVB die aktuell torgefährlichste und wohl beste Mannschaft.Nicht umsonst will man von Titel-Ambitionen in Gladbach nichts wissen. Nicht umsonst wiegelt Rainer Bonhof, Vizepräsident der Borussia, weiterhin ab: „Warten wir doch mal noch fünf, sechs Spieltage, wohin die Reise dann so geht.“ Denn mit drei Auswärtsniederlagen in Leipzig, Sinsheim und Dortmund würde die Reise ganz schnell Richtung Platz 5 gehen.
Mit Ruhe und Gelassenheit Richtung Europa
Auch kein Grund für Panik, weil eine Platzierung unter den Top 5 bereits ein Erfolg für die Borussia wäre. Die Gladbacher werden sich nicht leicht aus der Bahn werfen lassen. Im und um den Verein herrscht eine ungemeine Ruhe und das Selbstvertrauen der Fohlen ist groß. Der Realitätssinn jedoch größer. Die Macht am Niederrhein ist auf Dauer kein realistischer Meisterschaftskandidat. Und somit tut man gut daran, Erwartungen zu zügeln, auf dem Boden zu bleiben. Die Saison ist lang, die Liga ist stark – doch träumen ist erlaubt.Image attribution
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Dieter Hecking: Jan Heimerl, Dieter Hecking - Pressekonferenz zur Vorstellung von Luiz Gustavo 2013 (cropped), CC BY-SA 3.0


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