Bei Hamann hapert’s an der Sachlichkeit - Sky-Experte rät Bayern zum Lewa-Verkauf


Der Zoff zwischen Didi Hamann und dem FC Bayern geht in die nächste Runde. Mit seiner Kritik am Bayern-Stürmer Lewandowski erntete der Fachmann vom Sender „Sky“ Hohn und Spott von Seiten des Rekordmeisters: „Unsachlich“, „ahnungslos“, „dämlich“ – Doch ist die Kritik von Hamann berechtigt? 90plusdrei bleibt sachlich und nimmt die Leistungen von Lewandowski unter die Lupe.


„Ich glaube, dass Lewandowski zum Problem für Bayern München wird“

Mit dieser Aussage leitete Sky-Experte Didi Hamann eine hitzige Diskussion um Stürmerstar Robert Lewandowski ein. Nach der 3:1 Niederlage in Leverkusen am 20. Spieltag hatte Hamann den polnischen Nationalstürmer zum Sündenbock gemacht:

„Seine Theatralik, sein Abwinken, sein zum Teil lustloses Verhalten auf dem Platz. Ich glaube, es ist offensichtlich, dass er ein Einzelgänger ist.“

Der frühere Nationalspieler ging sogar noch einen Schritt weiter und legte dem Rekordmeister nah, Lewandowski im Sommer zu verkaufen. Die Reaktion der Bayern ließ nicht lange auf sich warten. Hasan Salihamidzic, Sportdirektor beim Rekordmeister, reagierte erzürnt auf Hamanns Kritik: „Das, was er macht, ist eine Kampagne, weil er […] die Spiele nicht richtig schauen kann.“ Die Kritik Hamanns schrieb Salihamidzic als „unsachlich“ und „ahnungslos“ ab. Auch Lewandowski selbst wollte sich nicht zu Dingen äußern, die „absolut dämlich“ seien.

Und der Sky-Experte gibt nicht nach: „Ich bleibe da bei meinem Standpunkt, dass er [Lewandowski] nicht derselbe Spieler war in den letzten zwölf, achtzehn Monaten wie vorher“, sagte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Auch Sky deckt seinem Fachmann den Rücken. „Sein Urteil wird allgemein sehr hoch geschätzt, da er auch kontroverse Thesen vertritt, die nicht immer von allen geteilt werden. Daran lässt er sich dann auch messen und darüber darf jederzeit sachlich diskutiert werden."

Apropos sachlich: Ist die Kritik an Lewandowski berechtigt?

Nein. Zumindest nicht wenn man Salihamidzic glaubt: Ich möchte Robert Lewandowski herausheben. Er spielt wie ein Leader, spielt seine kompletteste Saison bei uns. Er haut sich für die Mannschaft rein, ist unser Topscorer. Daher kann ich nicht verstehen, dass Didi Hamann ihn so kritisiert."

Brazzo hat recht – Lewandowski ist der beste Mittelstürmer in Europa

Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass Lewandowski momentan auf allerhöchstem Niveau spielt. Mit 25 Toren und 11 Vorlagen in 29 Pflichtspielen ist der Pole die Torgefahr in Person. In Europas Topligen hat kein Mittelstürmer zum aktuellen Zeitpunkt mehr Scorerpunkte auf dem Konto als der Pole. Nicht Suarez, nicht Kane, nicht Griezmann, nicht Cavani. Insbesondere in Sachen „Torvorlagen“ kann kein Stürmer in Europa dem Knipser der Bayern Paroli bieten. Mit 9 Torvorlagen in der Liga hat Lewandowski in dieser Saison exakt so viele Tore vorbereitet wie Ronaldo. Auch vom Spitzenreiter dieser Kategorie, Lionel Messi, ist Lewandowski nur drei Vorlagen entfernt.

Hamanns Kritik? Tatsächlich unsachlich!

Fakt ist, dass Lewandowski mit 1,24 Torbeteiligungen pro 90 Minuten DIE Saison seines Lebens spielt. Der 30-jährige Pole hat alles, was ein absoluter Top-Stürmer braucht: Kraft, Finesse, Erfahrung und den nötigen Torriecher. Das hat Lewandowski bereits in den letzten Jahren bewiesen. Denn seit 2015 liefert der Torjäger konstant mehr als 1,0 Torbeteiligungen pro 90 Minuten ab (siehe Tabelle). Auch die Gesamtbilanz des Knipsers ist mehr als beeindruckend: In 552 Partien (45.598 Minuten) sammelte Lewandowski insgesamt 485 Scorerpunkte (363 Tore, 122 Vorlagen). In anderen Worten bzw. Zahlen: 0,96 Torbeteiligungen pro 90 Minuten.

Saison
Verein
Spiele
Tore
Vorlagen
Scorerpunkte
Scorerpunkte pro 90 Min.
2018/19
Bayern
29
25
11
36
1,24
2017/18
Bayern
48
41
5
46
1,10
2016/17
Bayern
47
43
10
53
1,19
2015/16
Bayern
51
42
6
48
1,02
2014/15
Bayern
49
25
13
38
0,85
2013/14
Dortmund
48
28
13
41
0,88
2012/13
Dortmund
49
36
13
49
1,07
2011/12
Dortmund
47
30
12
42
0,93
2010/11*
Dortmund





2009/10
Posen
34
18
8
26
0,75
2008/09
Posen
48
20
12
32
0,78
Nationalteam
Polen
102
55
19
74
0,86
Gesamt
552
363
122
485
0,96
*Nicht Stammspieler

Robert Lewandowski ist einer der zuverlässigsten und konstantesten Scorer der Welt. Man kann sich unschwer vorstellen, wie diese Saison für den FC Bayern laufen würde, wenn sie die Tormaschine aus Warschau nicht hätten. Dem schließt sich Ex-Trainer und Fußballikone Ottmar Hitzfeld an: "Es ist normal, dass es Phasen gibt, in denen man weniger erfolgreich ist. Aber Lewandowski ist ein unheimlich wichtiger Baustein im Gefüge des FC Bayern."

Ob Einzelgänger oder nicht – Lewandowski ist ein Gewinner, kein Problem

Nahezu jeder Stürmer von Weltklasse-Format hat die ein oder andere Macke. Ein Stück Egoismus tut auch sicherlich jedem Stürmer gut. Fakt ist, dass Lewandowski alles gewinnen will. Er will den DFB-Pokal gewinnen, er will die Meisterschaft gewinnen, er will die Champions-League gewinnen und am liebsten in jedem Wettbewerb die Torjägerkanone mit nach Hause nehmen. Dafür tut der Pole auf dem Platz absolut alles.
So äußerte sich auch Roman Weidenfeller, der von 2010 bis 2014 zusammen mit Lewandowski beim BVB war, zu der Egoismus-Debatte: „Auf dem Platz war Robert beim BVB immer ein absoluter Teamplayer, der alles für den Erfolg gegeben hat. Aber Stürmer sind oft wie Torhüter echte Egoisten. Sie wollen immer spielen, wollen immer gewinnen.“

Wer Wind säht, wird Sturm ernten – Ist Hamann selbst schuld?

Didi Hamann hat mit seiner Kritik an Lewandowski den falschen Baum angepinkelt. Seine Behauptung, Lewandowski habe keinen Wert für die Mannschaft, wenn er keine Tore erzielt, hat mit Sachlichkeit nichts zu tun. Seinem Aufruf, die Diskussion um Lewandowski auf „einem gewissen Niveau“ zu führen, kommt Hamann selbst nicht nach. Stattdessen erntete der Fachmann harte Kritik von seinem Ex-Klub und fühlte sich persönlich angegriffen.
Die Kritik an Hamanns Aussagen ist hingegen vollkommen legitim. Lewandowski ist und bleibt der beste Stürmer der Bundesliga, der wichtigste Spieler des FC Bayern. Ein Blick auf die Statistik zeigt, wie wertvoll der polnische Rekordstürmer für die Münchener ist, und wie konstant Lewandowski in den letzten Jahren war.

Hamanns Aussage, Lewandowski könne zum Problem für den Rekordmeister werden, ist also absoluter Quark und trifft nur in einem einzigen Fall zu: Sollte der Topstürmer sich verletzen. Denn dann ist die Saison auch für den FC Bayern gelaufen.



Image attribution
Dietmar Hamann: imago/Eibner, Dietmar Hamann, cropped, CC BY 2.0

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